Das Alte Ägypten

Zeitplan der Altägyptischen Geschichte
Zeittafel
Errungenschaften einer frühen Hochkultur

Sprache, Schrift, Literatur und Reliefkunst der Pharaonenzeit
Entzifferung der Hieroglyphen
Glaube und Götter

Zeitplan der altägyptischen Geschichte
Mit einem Zeitraum von 3000 Jahren lässt die altägyptische Geschichte die Lebensdauer aller anderen Hochkulturen hinter sich zurück. Ägypten ist der Prototyp einer frühen Hochkultur. Um aber ihre einzigartige Geschlossenheit und kulturelle Entwicklung während dieser langen Zeit verstehen zu können, hier ein zeitgeschichtlicher Abriss.
Dass man heute in der Lage ist, die Geschichte des Landes zeitlich zu gliedern, verdanken wir dem Hohepriester Manetho, der im 3. Jhdt. v. Chr. eine chronologische Auflistung verfasste. Er teilte den Ablauf der Ereignisse in 30 Dynastien ein. Eine Dynastie begann mit jedem neuen Herrschergeschlecht. Bereits zu Zeiten der Alten Ägypter unterschied man zwischen drei Reichen, das Alte, das Mittlere und das Neue Reich (AR, MR, NR), dem sich die Spätzeit (Sp) anschließt. Zwischen diesen unterschiedlichen kulturellen Hochzeiten liegen die sogenannten Zwischenzeiten. Die erste nennt man Herakleopolitenzeit, während der das Reich infolge innerer Wirren zusammenbrach; die zweite Wirrephase oder auch ,Hyksoszeit' genannt wird gekennzeichnet durch den Einfall von Fremdvölkern aus dem Osten, in deren Gefolge Chaos und Anarchie über Ägypten hereinbrachen. Ab der Spätzeit wird das Land durch wechselnde Fremdherrschaft bestimmt. Der geschichtlichen Phase, die mit der Erfindung der Schrift beginnt, geht die der vorgeschichtlichen voraus. Als neo-lithische Epoche wird die Zeit von 5000-3000 v. Chr. bezeichnet, in der, infolge einer eingetretenen Klimaveränderung, Nomaden im Niltal sesshaft wurden und Gemeinschaften bildeten. Nach der Zeit primitiver Kulturanfänge und einer Phase zahlreicher kleiner Fürstentümer wuchsen die verschiedenen Zivilisationen zu zwei Königreichen zusammen. Zum Ende der Vorgeschichte wird die Kultur des Niltals einheitlich. Als Gründer des Einheitsstaates durch die Vereinigung beider Reiche und erster Träger des ägyptischen Titels "König von Ober- und Unterägypten" gilt Pharao Menes.

1. Frühzeit und Altes Reich (3000-2155 v. Chr.)

Die ersten beiden Dynastien (3000-2665 v. Chr. = Thinitenzeit) stehen unter dem Zeichen der
Staatskonsolidierung, des Ausbaus der Verwaltung und des Setzens staatlicher Grenzen. Im
weiteren Verlauf- der Epoche des AR - kam es zu keinen nennenswerten Kriegen mehr, so
dass die Grundlage zu einer geistigen und kulturellen Entwicklung gegeben war.
Die herausragende Königsgestalt der 3. Dynastie ist Djoser
, dessen Stufenpyramide den ersten Monumentalbau der Menschheitsgeschichte aus Stein repräsentiert. Die 4. Dynastie ist die Zeit der Pyramidenbauer. Allen voran ist hier Pharao Snofru zu nennen, der insgesamt drei errichten ließ.
Seine Nachfolger Cheops, Chefren und Mykerinos sind die "Eigentümer" der großen
Pyramiden von Gizeh.
Die beiden letzten Herrschergeschlechter des AR stärken den Sonnenglauben, der Pharao wird zum Sohn des Gottes Re. Er ist nun Mensch und Gott zugleich und fungiert als Mittler der Unsterblichen für seine Untertanen. Als erster Pharao lässt Unas in der 5. Dynastie seine Grabkammer mit religiösen Schriften verzieren, den "Pyramidentexten". Das AR endet in den Wirren einer Revolution, die verschiedenen Gaufürsten der 6. Dynastie vorübergehende Selbständigkeit beschert. Untereinander kämpft man um die Vorherrschaft des Landes. Die Künste sinken auf ein niedriges Niveau.

Mittleres Reich (2130-1750 v. Chr.)

Die Familie der Anteffürsten aus Theben unter ihrem König Mentuhotep vereinen Ägypten aufs Neue. Unter ihm und seinen Nachfolgern der 11. und 12. Dynastie festigt das Land seine Vormachtstellung im Vorderen Orient. Eroberungen im Süden gehen bis zu den Gebieten des 1. und 2. Nilkataraktes in Nubien. Die Errichtung eines Lehnstaates fußt auf der Bildung einer neuen sozialen Schicht, der des Bürgertums. Der König stellt, weniger als seine göttliche, die menschliche Komponente seines Wesens in den Vordergrund. Die 12. Dynastie wird zur klassischen Periode der Kultur. Literatur, Bildhauerei und Architektur erleben eine Blütezeit. Die Erzählung des Sinuhe entsteht und wird zu einem der beliebtesten Werke. Die staatliche Führung zeichnet sich durch Straffheit und Durchorganisiertheit aus. Die wirtschaftliche Leistung besteht in der Entwässerung und Urbarmachung des Faijum. Über Byblos treibt Ägypten Handel mit Kreta und Zypern. Die Könige dieser Epoche heißen Amenemhet I - III, Mentuhotep I - III und Sesostris I - III. Sie residieren in der Nähe von Memphis, Theben behält jedoch eine Sonderstellung als Kultort des Reichsgottes Amun-Re. Im Verlauf der 13. Dynastie führt eine Schwächung des Staates zur Eroberung durch die Hyksos. Ihre Hauptstadt wird das im Ostdelta gelegene Auaris. Als Neuerung bringen sie Pferd und Streitwagen mit nach Ägypten. Die Hyksos herrschen mehr als 200 Jahre, bevor sie von den beiden letzten ägyptischen Königen der 17. Dynastie, Kamose und Ahmose, vertrieben werden können.

Neues Reich (1555-1080 v. Chr.)

Während der 18. und 19. Dynastie erlebt Ägypten die Hochzeit in politischer, geistiger und kultureller Hinsicht. Infolge der Bildung starker neuer Großreiche (Mitanni, Chatti, etc.) im Vorderen Orient ist das Land gezwungen, seinen Herrschaftsraum zu erhalten und imperialistisch auszubauen. Thutmosis I. und seine Nachfolger erobern Nubien zurück und rücken die Grenzen nilaufwärts. Im Norden unterwirft man Palästina; Thutmosis III. stößt bis nach Karkemisch in Syrien vor . Unter seiner Regierung erreicht Ägypten seine größte Ausdehnung - vom Euphrat bis zum 4. Nilkatarakt. Der Sohn und Nachfolger Amenophis II. setzt die Auseinandersetzungen mit den Mitanni bis zum oberen Euphratgebiet fort. Der Seehandel mit Kreta und den Ägäis-Anrainern wird über Phönizien ausgebaut. Es entsteht ein reger Austausch mit Mesopotamien, Babylon, dem Hethiterreich und den syrischen Stadtstaaten.
Die 18. Dynastie bringt herausragende Herrscherpersönlichkeiten hervor. Hatschepsut ist die einzige weibliche Pharaonin auf dem ägyptischen Thron. Während ihrer Amtszeit findet die berühmte Reise nach Punt - dem heutigen Somalia - statt, die sie auf den Wänden ihres Tempels in Theben-West verewigen lässt. Seinen Zenit erreicht das Zeitalter unter der Herrschaft des Königs Amenophis III. Das Reich ist nach außen und innen gefestigt, der Reichtum durch die Menge der tributpflichtigen Völker gesichert. Außenpolitisch pflegt man gute Beziehungen zu den Königreichen Mittanis und Babyloniens wie zahlreiche Keilschriften und Papyri belegen. Unter seinem Nachfolger Amenophis IV. - Echnaton findet ein Bruch in der Tradition und der Religion statt. Der Polytheismus wird zu Gunsten des Monotheismus mit dem Sonnengott Aton an seiner Spitze abgeschafft, Theben verliert den Status als Hauptstadt. Die neue Stadt Echnatons, bei Tell el-Amarna in Mittelägypten gelegen, überdauert gerade die Zeit seiner Regierung. Unter den Nachfolgern seien Tut-Anch-Amun und Haremhab hervorgehoben. Letzterer vollendet die Phase der nach Echnaton eingeleiteten Restauration.
Die 19. Dynastie steht unter dem Zeichen der Wiederherstellung der Reichsmacht in Nubien und Asien. Der berühmteste König ist mit Sicherheit Ramses II., der 66 Jahre regiert. Während seiner Amtszeit findet ver-mutlich der Auszug der Hebräer unter Moses aus Ägypten statt. Ramses errichtet die nach ihm benannte neue Residenzstadt im Ostdelta und entfaltet bis zu den südlichen Landesgrenzen eine enorme Bautätigkeit. In den nachfolgenden Jahrhunderten tritt der Niedergang des ägyptischen Imperiums ein, lediglich
Ramses III.
, Pharao der 20. Dynastie, vermag einen letzten Glanzpunkt zu setzen.

Die Spätzeit

Diese Epoche umfasst die Zeit des 1. Jts. bis zur Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen 332 v. Chr.. Das Land wird von libyschen und nubischen Königen regiert. Die 25. und 26. Dynastie bringt eine Art Renaissance. Es erfolgt eine Rückbesinnung auf alte Werte und Traditionen. Architektur und Kunst erfahren eine neue Blüte. Ab 745 v. Chr. wird Ägypten von äthiopischen und später von assyrischen Königen beherrscht, bis es schließlich den Persern unter Kambyses gelingt, es zu erobern. Die Ptolemäer regieren nach Alexander das Land bis 30 v. Chr.; danach wird Ägypten römische Provinz. Berühmteste Vertreterin der ptolemäischen Epoche ist ohne Zweifel Kleopatra VII., deren Versuch, die Vormachtstellung ihres Landes im Osten zu erhalten, jedoch scheiterte.

                                                                                
Zeittafel
Thinitenzeit (l. und 2. Dynastie) 2985-2665 
2985-2955 Menes

Altes Reich (3. bis 6. Dynastie) 2665-2155

3. Dynastie 2665-2600
2650-2630 Djoser
4. Dynastie 2600-2480
2600-2575 Snofru
2575-2550 Cheops (Chufu)
2550-2540 Djedefre (Ra-djedef)
2540-2515 Chephren
2515-2487 Mykerinos
2487-2480 Schepseskaf
5. Dynastie 2480-2320
2472-2460 Sahure
2460-2440 Nefer-ir-ka-Re
um 2420 Neferefre (Ra-neferef)
6. Dynastie 2320-2155
2298-2258 Phiops I.
2251-2157 Phiops II.

Erste Zwischenzeit (7. bis 10./lI.Dynastie)
2155-2040

11. Dynastie 2134-1991
2134-2118 Mentuhotep I.
2061-2010 Mentuhotep II.
2010-1998 Mentuhotep III.

Mittleres Reich (12. Dynastie) 1991-1785
1991-1962 Amenemhet I.
1971-1926 Sesostris I.
1929-1892 Amenemhet II.
1897-1878 Sesostris II.
1878-1840 Sesostris III.
1842-1798 Amenemhet III.
Zweite Zwischenzeit/Hyksoszeit 
(13. bis 17. Dynastie) 1785-1551
15. und 16. Dynastie (Hyksoszeit)
1650-1541
17. Dynastie (Theben) 1650-1551
Sekememre
Kamose

Neues Reich (18. bis 20. Dynastie) 1551-1080

18. Dynastie 1551-1305
1551-1526 Ahmose
1526-1505 Amenophis l.
1505-1493 Thutmosis I.
1493-1490 Thutmosis II.
1490-1468 Hatschepsut
1490-1439 Thutmosis III.
1439-1413 AmenophisII.
1413-1403 Thutmosis IV.
1403-1365 Amenophis III.
1365-1347 Amenophis IV. (Echnaton)
1346-1336 Tut-anch-Amun
1336-1332 Eje
1332-1305 Haremheb

19. Dynastie 1305-1196
1305-1303 Ramses I.
1303-1290 Sethos I.
1290-1224 Ramses II.
1224-1214 Merenptah

20. Dynastie 1196-1080
1193-1162 Ramses III.
1162-1080 Ramses IV.-XI.

Spätzeit (21. bis 31. Dynastie) 1080-332

664-610 Psammetich (26. Dynastie)

Ptolemäerzeit 332-30
Errungenschaften einer frühen Hochkultur

Zwischen dem 4. und 3. Jt. v. Chr. entstanden fast gleichzeitig an Euphrat und Tigris, im Indus-Tal und am Nil Hochkulturen. Ihre gemeinsamen Merkmale sind u.a.: eine dauernde institutionalisierte Herrschaft, Schriftlichkeit, staatliche Organisation, Ausbildung von Kunst und Wissenschaft, Identifizierung des Volkes als Nation, Verknüpfung von Staat und Religion Diese Charakteristika erfahren jedoch in jeder der genannten Stromkulturen eine eigenständige, voneinander unabhängige Ausformung und Entwicklung. Gründe hierfür sind u.a. die unterschiedlichen geographischen Voraussetzungen. Ägypten ist durch Wüsten und Meere geschützt, die Lage Mesopotamiens jedoch z.B. erlaubt ein Eindringen neuer Einflüsse und Einwanderer. Während sich im Zweistromland mehrere Kulturen, teilweise aufeinander folgend, teilweise gleichzeitig entwickeln, und sich das Land vor Eindringlingen und gegenseitiger Eroberung schützen muss, kann sich im sicheren Niltal ein Einheitsstaat entwickeln, der sich ab dem Alten Reich vor jeglichen Einflüssen und Infiltrationen von außen abkapselt. So erfährt Ägypten eine einzigartige hochkulturelle Ausprägung in allen Bereichen, wie z.B. Schrift, Religion, Lebensauffassung, mit starken Tendenzen zur Beharrung in der Form und zugleich zur inhaltlichen, somit evolutionären Entwicklung.
Die geistigen Errungen- und Hinterlassenschaften der Hochkulturen bilden die Wurzeln unserer Zivilisation. In Mesopotamien wurde der Städtebau entwickelt, ein Schriftsystem und das Rollsiegel erfunden. Am Beispiel Ägyptens sollen nachfolgend einige der Kulturgüter näher erläutert werden, die man - ausgehend von der Entstehung der Schriftlichkeit- erdachte und entwickelte.

Bereits unter den Königen der 1. und 2. Dynastie entstand ein differenziertes Staatswesen. Dem Pharao gehörte das Land, welches der Adel für ihn verwaltete. Zwar sind die näheren Umstände dieser Verwaltung unbekannt, jedoch weiß man, dass es schon zu jener Zeit Beamte gab, die in den Schatzhäusern alle zwei Jahre "Zählungen" des königlichen Besitzes vornahmen. Sie dienten zumindest teilweise auch als Grundlage für die Zeitrechnung.
Ab dem Beginn des AR um 2665 v. Chr. entwickelte sich ein zentralistischer, straff organisierter Beamtenstaat mit einem Wesir an der Spitze. Fünf Büros, darunter das königliche Sekretariat, verwalteten die Akten und fertigten die Dekrete aus. Ober- und Unterägypten waren in insgesamt 42 Gaue eingeteilt, jeder von diesen mit einem dem König unterstellten Verwaltungs- und Rechtssystem. Ein von der Krone ernannter Beamter, der als "Erster unter dem König" bezeichnet wurde, stand an der Spitze jedes Gaues. Innerhalb der Verwaltung finden sich alle Aspekte eines geordneten Staatenwesens: eine Schatzkammer, Gerichtshof, Landamt, Magazine, ein Amt zur Erhaltung der Dämme und Kanäle. Bereits im AR, schwerpunktmäßig jedoch erst ab dem MR, kommen militärische Abteilungen hinzu. Eine eigene Schichtung erfährt das Militär erst ab dem NR. Die Miliz steht in jenen Tagen unter der Leitung des Schatzmeisters. Die Schatzkammer ist das Herzstück jeder Verwaltung. Durch sie wurden seit frühester Zeit dem König die Abgaben zugeführt, die von seinen Gaufürsten eingenommen worden waren. Alle aufgeführten Ämter und Arbeiten wurden von einem Heer von Schreibern und Verwaltungsangestellten geführt und überwacht. Sie saßen über einer stets wachsenden Masse von Archiven und Ortschroniken..
Die jährlichen Nilüberschwemmungen machten geometrische Vermessungen notwendig, da immer eine Neuabgrenzung der Güter vorgenommen werden musste. Die Wasserzuteilungen wurden von den Gaufürsten, ihren Verwaltern und Schreibern festgelegt, die Steuern für die Feldbesitzer bemessen. Die Schrift machte es möglich, dass über große räumliche Entfernungen hinweg entsprechende Weisungen erteilt werden konnten. Die Erfindung des Kalenders erleichterte den Menschen zusätzlich die Planung und Organisation aller Arbeiten im jahreszeitlichen Ablauf. Die Ägypter kannten das Kalenderjahr von 365 Tagen angeblich bereits um 4200 v. Chr. in der Gegend um Memphis. Die offizielle Einführung des Kalenders erfolgt um das Jahr 2772 v. Chr. während der Regierungszeit König Djosers. An der Nilüberschwemmung beobachtet und später korrigiert am erstmaligen Aufgang des Sirius (19. Juli), teilte man das Jahr in drei Jahreszeiten zu je
4 Monaten mit 30 Tagen. Am Ende der 12 Monate fügte man eine heilige Periode von 5 Festtagen (Epagomenen) hinzu. Da aber dieses Kalenderjahr rund ein Viertel Tag kürzer war als das Sonnenjahr, gewann es alle 4 Jahre einen ganzen Tag. Schon der griechische Geschichtsreisende Herodot weiß um 450 v. Chr. die ägyptische Einteilung des Jahres zu würdigen: "Man hat mir einstimmig berichtet, dass die Ägypter unter allen Menschen zuerst das Jahr erfanden,.. die Sterne hätten sie auf diese Einteilung gebracht. .. (Sie haben) Monate zu dreißig Tagen,., tun jährlich noch fünf., hinzu, und so kommen die Jahreszeiten ordentlich im Kreise herum.". Erst die Reformen unter Julius Cäsar und später durch Papst Gregor XII. (1582) bewirkten die noch heute gültige exakte Form der auf die Ägypter zurückgehende Erfindung. Darstellungen des Kalenders finden sich oft an den Decken der Sargräume oder auf Sarginnendeckeln. Sie sollten den Toten ermöglichen, die richtigen Stunden zur Verrichtung ihrer Gebete zu finden.
Die altägyptische Symbolpflanze (Wahrzeichen Unterägyptens) Papyrus wurde zur Herstellung des Schreibstoffes verwendet, von dem sich dem Namen nach unser "Papier" herleitet. Als Material zum Bootsbau oder Flechten bekannt, verstand man schon in der 1. Dynastie auch Papyrus herzustellen. Das Mark der grünen Stengel wurde in Streifen geschnitten, anschließend gewässert, um dann Streifen für Streifen parallel nebeneinandergelegt zu werden. Eine zweite quere Schicht kam dazu; das so entstandene "Blatt" wurde mit einem Holzschlegel geklopft, danach gepresst und poliert. Durch das Aneinanderkleben der Blätter entstanden mehrere Meter lange Papyrusrollen. Guter Papyrus war teuer und sehr begehrt. Den Schreibern war es ein bequemes und hochwertiges Arbeitsmaterial, das man der Sitte nach mit Tinte beschrieb . Frischer Papyrus ist nahezu weiß, haltbar und sehr elastisch, erst im Alter nimmt er die typisch bräunliche Färbung an. Seit wenigen Jahrzehnten wird die Kunst der Papyrusherstellung in Ägypten wieder ausgeübt und die zwischen zeitlich verschwundene Staude in bestimmten Regionen des Landes erneut angebaut. Auf Papyri sind uns wissenschaftliche Quellen erhalten geblieben, die ein recht genaues Bild vom Kenntnisstand in der Mathematik, der Astronomie und der Medizin vermitteln. Zwar konnten die Ägypter in den beiden erstgenannten Wissenschaften nie das Niveau der Mesopotamier und Babylonier erreichen, jedoch ist dies nicht auf ein eventuelles Unvermögen zurück zuführen, sondern vielmehr auf die ausschließlich nach der Zweckmäßigkeit ausgerichtete Einstellung der Menschen. Die wissenschaftliche Leistung dieser Hochkultur besteht - nichtohne Einfluss der Landschaft -,.. im Scheiden von rdnungswerten und -größen... Die ausder Erfahrung gewonnene Regel wird dabei zum Paradigma weiterer Übung. Dass die Ägypter an der Causa nicht interessiert sind, erklärt sich daraus, dass es für sie nur eine Ursache gibt:
das ist Gott. Indessen findet man in dem berühmten mathematischen Papyrus Rhind einen beachtenswerten Beweis dafür, dass man auch im Niltal nach theoretischer Wissenschaft gestrebt hat. Am Ende einiger seiner Darlegungen schreibt der Verfasser des Papyrus Worte, welche übersetzt: "So ist es", "So verhält es sich". bedeuten könnten. Der Verfasser des Artikels über den Papyrus Rhind stellt im weiteren Verlauf die These auf, dass diese Endung "Gewissenhaftigkeit und unabhängige Urteilskraft" erfordere .
Ebenso wie in der Mathematik verhält es sich in der Astronomie. Die Ägypter besaßen bereits im AR praktische Kenntnisse. So kannte man die bedeutenderen Fixsterne und einige Planeten - "die Sterne, die die Ruhe nicht kennen", aber man entwickelte keine Theorien über den Grund von Verläufen und Bewegungen der Gestirne. Das Wissen des Volkes wurde in den sogenannten "Lebenshäusern" von Generation zu Generation weitergegeben. Religiöse und wissenschaftliche Werke fasste man in Büchern ab und erneuerte sie im Laufe der Zeit immer wieder.

                                                                                  

Schrift, Literatur und Reliefkunst der Pharaonenzeit

Die Sprache Altägyptens ist verwandt mit semitischen und hamitischen Sprachzweigen. Sie entwickelte jedoch auch einen eigenen Charakter, der besonders in der Konjugation deutlich wird. Mehr als 8000 Wörter sind inzwischen bekannt, der Bestand vermehrt sich jedoch durch jeden neu gefundenen Text. Die ägyptische Sprache erfuhr im Laufe von rund 4500 Jahren einen erheblichen Wandel. Nach dem Altägyptischen des 3. Jts., das uns fast ausschließlich durch religiöse Texte bekannt ist, folgt das Mittelägyptische. Die gesprochene Sprache hat sich während dieses Zeitraumes stark verändert, die Schriftsprache der ältesten Ägypter bleibt allerdings bis in die 18. Dynastie hinein bestehen. Erst unter Echnaton wird das Neuägyptisch seiner Epoche zur offiziellen Schriftsprache. Einige Ausnahmen, z.B. religiöse Texte, werden bis zum Ende der ägyptischen Geschichte weiter in Mittelägyptisch geschrieben. Das Neuägyptisch wird nach dem Untergang des NR zur toten Sprache. An ihre Stelle tritt im 7. vorchristlichen Jahrhundert das Demotische. Es wird um 600 zur Kanzlei- und Gerichtssprache, später fasst man auch Literatur in demotisch ab. Aus dem altägyptischen sind, wenn auch stark verändert, einige Wörter bis in unsere heutige Sprache gedrungen. Deren Vermittlung geschah durch die Bibel, aber auch über antike und arabische Schriftsteller. Zu diesen Vokabeln zählen: Pharao (altägypt. ,Per-o'), Ägypten (Kopten), Ibis, Gummi, Papier, Pavian u.v.m..

Die ägyptische Sprache wurde in drei Schriften geschrieben: in Hieroglyphen, Hieratisch und, das bereits erwähnte Demotisch.

Hieroglyphen waren bis in die ersten Jahrhunderte der nachchristlichen Zeitrechnung in Gebrauch.Die letzte gesicherte Inschrift stammt aus dem Jahr 394 n. Chr., der Regierungszeit des Kaisers Theodosius . Über die sogenannte Sinaischrift und die Phönizier hat sich eine Auswahl der Hieroglyphen in unserem Alphabet niedergeschlagen. Die Sinaiinschriften stellen den Übergang von ägyptischen Hieroglyphen zu einer Art kanaanitischer Sprache dar. Diese lautliche Einkonsonantenschrift wurde vermutlich von semitischen Schreibern, die die altägyptische Schrift beherrschten, entwickelt, und später von den Kanaanitern im Norden übernommen. Sie gelangte durch die Hebräer, Phönizier und die Griechen mit vielen Veränderungen als Buchstaben-Alphabet zu uns.
Die ausgesprochene Kursivform der Hieroglyphen ist das ebenfalls sehr früh entstandene Hieratisch. Das Schriftsystem entspricht dem der Hieroglyphen, aber die bildhafte Form verflüchtigt sich durch schnelles Schreiben. Ebenso wie die repräsentative Schriftsprache erfährt das Hieratisch im Laufe der Zeit starke Veränderungen (Alt- Mittel- Späthieratisch). Die einzelnen Kursivschriften, die auf Papyri und anderen Gegenständen erhalten geblieben sind, lassen die individuellen Handschriften der Schreiber gut erkennen.
Die jüngste Schriftform des Ägyptischen verflüssigt die bereits stark vereinfachten Zeichen des Hieratischen immer mehr. Der älteste in Demotisch abgefasste Text stammt aus dem Jahr 660 v. Chr. Man schrieb vornehmlich Urkunden und Literatur in demotisch, jedoch wird die "Volksschrift'" in der Ptolemäer- und Römerzeit auch auf Stein gemeißelt. Die letzte demotische Inschrift wurde im 5. Jhdt. n. Chr. sicher belegt. Mit ihrem Aussterben und der Manifestierung des Christentums tritt die koptische Schrift an die Stelle der altägyptischen..
Die Texte, die in der altägyptischen Sprache aufgezeichnet wurden, vertreten nahezu alle Bereiche der Literatur. Neben dem offiziellen Schriftverkehr der Verwaltungen, Gerichte, Schatzämter und Tempel, finden sich die bereits erwähnten wissenschaftlichen Texte und Abhandlungen aus Medizin, Mathematik und Astronomie. Die Prosa entwickelt sich im Laufe des MR zur Blüte. Die älteste Gattung der Prosa sind wohl die Weisheitslehren gewesen. Aus der Zeit der 3. Dynastie ist die Lehre des Ptahhotep erhalten geblieben, die schon im Altertum Grundlage für das Ideal des Menschenbildes war und als Vorform der Philosophie angesehen werden kann . Ab der 12. Dynastie wurden Dichtungen und Erzählungen geschrieben, eine der bekanntesten ist die Geschichte Sinuhes. Es entstehen eine Vielzahl von Zaubergeschichten, Märchen und Fabeln. Der Hintergrund der Texte stammt zumeist aus politischen Bereichen, aber auch aus den Fragen der Menschheit seit Anbeginn: man versuchte das Wesen des Bösen zu ergründen, die Bestimmung des Individuums oder auch die Gerechtigkeit der Götter.

Das NR nimmt die Märchenliteratur wieder auf und entwickelt Geschichten, deren Motive in späteren Zeiten erneut auftauchen. So entsteht z.B. der Vorläufer der Kain- und Abel-Erzählung des Alten Testamentes in Form des Brudermärchens . Weltliche Gedichte finden ihren Niederschlag in Form von Liebes-, Trink,- und Harfnerliedern. Den größten Raum nimmt jedoch die religiöse Literatur ein. Hier sei besonders an die Hymnen und Gebete an die Götter erinnert. Die berühmteste Hymne ist wohl nach wie vor "Echnatons großer Sonnengesang", der vollständig erhalten blieb. Die Totenliteratur, ein anderer Aspekt der Gattung, ist aus frühester Zeit in Form der Pyramidentexte überliefert. Im NR schmückt man die Wände der Königsgräber mit den beiden Totenbüchern Amduat- und Pfortenbuch, die, jeweils in eigener Systematisierung, den Lauf der Sonne während der 12 Nachtstunden durch die Unterwelt darstellen. Die Texte befassen sich sehr tiefgründig mit der allnächtlichen, geheimnisvollen Krafterneuerung der Sonne und ihrem sich immer wiederholenden Sieg über die Mächte der Finsternis.
Den Toten werden des weiteren unentbehrliche Totensprüche mit ins Grab gegeben, die auf langen Papyrusrollen stehen. Dazu zählt das sogenannte "negative Sündenbekenntnis", welches versichert, dass der Verstorbene nicht die Werte und Normen der Gesellschaft verletzt oder gebrochen hat. In gewisser Weise kann in ihm ein Vorläufer unserer zehn Gebote gesehen werden. In den thebanischen Königsgräbern wird die Szene des Totengerichts, in der der Grabherr das Sünden-bekenntnis spricht, bildlich dargestellt. Neben Osiris, dem Gott der Unterwelt und oberstem Richter, spielt dabei der ibisköpfige Gott Thoth eine tragende Rolle. Er ist der Gott der Weisheit, der Gesetze und heiligen Bücher. Als "Erfinder der Hieroglyphen" fungiert er als Sekretär der Götter und als Schreiber beim Totengericht.
Das Bild zeigt Thoth bei der Arbeit.
Als Zeichen seines Amtes hält er Tintenpalette und Schreibfeder in seinen Händen. Auf vielen Tempelreliefs wird ihm die Göttin der Schreibkunst, Seschat, zur Seite gestellt. Ihr obliegt es, die Regierungsjahre des Königs in die ewigen Annalen einzutragen. Beide Gottheiten versinnbildlichen den hohen Stellenwert, den das Schreiben im Alten Ägypten einnahm. Zum Ende der altägyptischen Geschichte, während der demotischen Zeit, erleben Sagen und Tierfabeln einen einzigartigen Höhepunkt. Man kann sagen, dass die Literatur Ägyptens als eine Wurzel unserer eigenen erfahren werden kann..
Die Flachkunst Altägyptens ist eng mit der Schrift verbunden. Da die Hieroglyphen Bilder darstellen, ist die Schrift gegenüber dem tatsächlichen Bild nicht abzugrenzen. Sie erfahren die gleiche vollendete Ausführung durch den Handwerker. Dabei ergänzen sich Figuren und Schriftzeichen: dort, wo Hieroglyphen detailliert ausgeführt werden, ist auch das Figurenrelief im ästhetischen Kunstkanon der Ägypter ausmodelliert; neben der kursiven Ausführungsweise erscheinen die Bilder ebenso. Im Relief setzen die Beischriften für den Gedanken um, was das Bild für das Auge veranschaulicht.'. Man unterscheidet zwei Arten von Ausführungen: das erhabene und das vertiefte oder versenkte Relief. Die erhabene Flachkunst findet in der 18. Dynastie ihren künstlerischen Höhepunkt. Innerhalb eines Quadratnetzes zeichnete man Schrift und Figuren flüchtig mit Rot vor. Waren die Bilder festgelegt, gab man ihnen mit Schwarz ihre endgültige Kontur. Bei der Ausarbeitung wurde in der untersten Reihe begonnen. Die Figuren wurden mit einem scharfen Meißel umfahren und der Hintergrund abgearbeitet. Für die Feinmodellierung im zweiten Arbeitsschritt wählte der Künstler einen Meißel, den er wahrscheinlich nur mit der Hand, ohne Hammer, bediente. Zum Schluss wurde die gesamte Oberfläche mit feinen Reibsteinen geglättet. Entstandene Löcher füllte man gegebenenfalls sofort wieder mit Gips aus. Anschliessend erfolgte die Bemalung.
Das versenkte Relief unterscheidet sich vom ersteren nur dadurch, dass man den Hintergrund nicht wegarbeitete. Die Bilder sind im Umriss in die Fläche eingemeißelt, danach wird ihre Oberfläche modelliert. Die Tiefe der Reliefs schwankt je nach ihrer Entstehungszeit. Seit dem AR bekannt, erlebt es seine Hochzeit unter den Ramessiden der 19.-21. Dynastie. Das versenkte Relief ist in seiner Ausformung wesentlich gröber als das erhabene, hat aber den Vorteil, dass es kaum zerstört werden kann. So wurde es in der Hauptsache an Außenmauern und Eingangspylonen von Tempeln (Karnak, Medinet Habu) angebracht, auf denen man den Ruhm und großartige Taten des jeweiligen Herrschers verewigte.

                                                                                  

Die Entzifferung der Hieroglyphen

Wie den meisten Entdeckungen, so lag auch der Entzifferung der Hieroglyphen ein Zufallsfund zugrunde. Im Verlauf des Ägypten-Feldzuges (1798-1801) unter dem damaligen Konsul Napoleon Bonaparte, hatte ein Soldat 1799 bei Erdarbeiten für den Bau des Forts Julien in der Nähe der im Delta gelegenen Stadt Rosette einen schwarzen, flachen Basaltstein gefunden. Der Stein von Rosette war von oben bis unten beschriftet und gliederte sich in drei Abschnitte: oben stand ein hieroglyphischer Text, in der Mitte ein demotischer und am Ende ein in griechischer Schrift abgefasster Teil. Die Altphilologen der Expedition übersetzten den dritten Abschnitt aus dem hervorging, dass es sich bei dem Fund um ein Dekret Ptolemäus V. (196. v. Chr.) handelte. Des weiteren wurde deutlich, dass dieser Abschnitt der Übersetzung der beiden oberen Texte diente. Nach der Kapitulation Napoleons bemächtigten sich die englischen Sieger des Steines und brachten ihn mit anderer Beute nach London; jedoch hatten französische Experten, die sich der Bedeutung der Entdeckung bewusst waren, zuvor Abschriften verfasst. Eine dieser Kopien gelangte nach der Rückkehr der Franzosen in ihre Heimat in die Hände eines zwölfjährigen Jungen. Ihn interessierten die geheimnisvollen Schriftzeichen und er nahm sich vor, sie eines Tages zu entziffern:Jean-Francois Champollion wurde zum Begründer der modernen Ägyptologie.
Der Franzose war nicht der einzige, der versuchte die Hieroglyphen zu entschlüsseln. Seine Konkurrenten waren der Engländer Thomas Young, der Schwede David Akerblad und ein anderer Franzose, Sylvestre de Sacy. Alle vier Wissenschaftler stützten ihre Forschungen auf den Stein von Rosette, von dem jeder eine Kopie besaß. Auf den ersten Blick schien das Problem lösbar zu sein: ausgehend vom griechischen Text, brauchte man nur die übereinstimmenden Stellen (z.B. Orts- und Personennamen) im Hieroglyphentext zu finden. Mehr als zwanzig Jahre nach dem Fund des Steines war tatsächlich jedoch keiner der Forscher weitergekommen. Akerblad gelang es 1802, einige Wörter der demotischen Inschrift zu entziffern, Young deutete 1819 ca. zehn Wörter richtig, bei anderen lag er jedoch vollkommen falsch. 1820 war Champollion kaum weiter als seine Kollegen, die Entzifferung gestaltete sich zu einem regelrechten Wettstreit. Alle stellten sich die grundsätzliche Frage, ob die Schrift ideographisch oder ob sie phonetisch war. Den Schlüssel dazu lieferten dem Franzosen im Spätsommer 1822 die Königskartuschen der hieroglyphischen Inschrift. Ausgehend von der Vermutung, dass die in dem Text auftauchenden Königsnamen Ptolemäus und Kleopatra in den länglich-ovalen Rahmen des altägyptischen Textes standen, gelang es ihm, die acht Zeichen des Namens Ptolemäus zu entziffern. Durch den Vergleich mit der zweiten Kartusche fand er fünf Zeichen - p, l, o, y/e, a - gleichen Lautwertes. Mit Hilfe einer zum Vergleich herangezogenen Inschrift von Philae, auf der ebenfalls der Name des Königs erschien, gelang Champollion der Beweis, dass er auf dem richtigen Weg war. Die Kartuschen, anhand derer dem Gelehrten die Entzifferung gelang, sind auf nachfolgender Abbildung zu sehen.

Bis zu seinem Tod im Jahre 1832 verfasste Champollion auch ein Wörterbuch und eine Grammatik der ägyptischen Schrift. Wenn er auch nicht alle Geheimnisse der Hieroglyphen entschlüsseln konnte, so hat der Franzose dennoch als erster herausgefunden, daß es sich bei der Zusammensetzung der Schrift sowohl um ideographische als auch um rein phonetische Zeichen handelte.

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